Das Konzept der kritischen Layout-Analyse

am Beispiel einer Schulbuchseite

Das Konzept der kritischen Layout-Analyse

Theo van Leeuwen und Gunther Kress entwickelten in den 1990ern gemeinsam eine Analysemethode zur Untersuchung von Buchdoppelseiten, welche auch auf Schulbücher angewendet werden kann: Die kritische Layout-Analyse.

Die beiden Autoren gehen davon aus, dass bei der Layout-Analyse einer Doppelseite prinzipiell vier Punkte zu beachten seien:

1. Die Platzierung der einzelnen Elemente auf einer Doppelseite

Durch die Anordnung der Medienbausteine auf der Doppelseite entstehe eine pragmatische Hierarchisierung dieser Elemente. Die Platzierung lasse sich, so die Autoren, prinzipiell in drei Gruppen unterteilen:

  • eine Links-rechts-Polarisation, bei der auf der linken Seite die bekannten auf der rechten Seite die neuen Informationen dargestellt seien,
  • eine Polarisation von oben und unten, bei der auf der oberen Hälfte das Ideal, also das Allgemeine, abgebildet sei und auf der unteren Hälfte konkrete Anwendungen dieser Information zu finden seien
  • und schließlich ein zentrumsfokussiertes Layout, bei dem die entscheidende Information in der Mitte zu finden sei und an den Rändern lediglich Zusatzinformationen stehen.[1]

2. Die Hervorhebung bestimmter Medienbausteine auf der Doppelseite

Neben der Anordnung spiele auch die Hervorhebung gewisser Elemente eine entscheidende Rolle. Durch

  • Größe
  • Schärfe und Fokus/Detailreichtum
  • Schwarz-Weiß-Kontrast oder Farbkontrast
  • Platzierung im Sichtfeld
  • und die Perspektive

wird eine Seite strukturiert und die einzelnen Elemente in eine Hierarchie eingeordnet.[2]

3. Die Verbindung oder Trennung dieser Elemente

Außerdem ist die Untersuchung der graduellen Verbindung bzw. Trennung einzelner Elemente auf einer Buchdoppelseite von großem Interesse.

Verbindungen könnten hergestellt werden durch:

  • Pfeile
  • oder Wiederholungen, etwa bestimmter Farben oder Formen.

Trennungen wiederum seien möglich durch:

  • Rahmen
  • Leerräume
  • Farbunterschiede der Elemente
  • oder unterschiedliche Schärfengrade.[3]

4. Der durch das Layout vorgeprägten "Leseweg" einer Doppelseite

Zuletzt gebe das Layout außerdem einen „Leseweg“ vor, der dem/der Betrachter*in einer Doppelseite eine bestimmte Verarbeitungsreihenfolge der Medienbausteine nahelege. Zwar unterscheide sich der tatsächliche „Leseweg“ je nach soziokultureller Prägung der Leser*innen, prinzipiell sei jedoch folgende Hierarchisierung der Elemente aufzuzeigen:

  1. Zentrale Bilder
  2. Alle anderen Bilder
  3. Text
    • Zuerst die Überschriften,
    • dann der Textkorpus[4]

Das Anwendungsbeispiel

Im Folgenden soll die dargestellte Untersuchungsmethode am Beispiel einer Schulbuch-Doppelseite des Schulbuches Geschichte und Geschehen. Neuzeit (Ernst Klett Verlag) für die Sekundarstufe II aus dem Jahre 2012 illustriert werden. Es handelt sich hierbei um eine Doppelseite aus dem Kapitel „Der Islam in der Moderne“ (siehe Abb. 1-4).

Vorarbeiten für die Analyse

Vor einer Analyse der Doppelseite müssen die einzelnen Medienbausteine sichtbar gemacht und benannt werden. Die nachfolgende Galerie zeigt die einzelnen Schritte:

Von Felix Krieger

Literatur

[1] Kress, Gunther/Van Leeuwen, Theo: „The Critical Layout Analysis“. In: Internationale Schulbuchforschung 17/1, S. 27-33.

[2] Ebd., S. 33-34.

[3] Ebd., S. 34-35.

[4] Ebd., S. 35-36.